„Akademischer Ordnungszwang bekommt ihn nicht in den Griff“

Bibel und Kultur, Pressemitteilungen 29 August, 2012

Schavan, Benyoëtz und Yakov Hadas-Handelsman in der Botschaft Israels. Foto: Müller / Stiftung Bibel und KulturEhrung von Elazar Benyoëtz in der Israelischen Botschaft

Elazar Benyoëtz, Aphoristiker und Dichter, wurde am gestrigen Dienstag anlässlich eines Empfangs in der Israelischen Botschaft in Berlin von der Stiftung Bibel und Kultur für sein Lebenswerk geehrt. Die Vorsitzende der ökumenischen Stiftung, Bundesministerin Professorin Dr. Annette Schavan, überreichte dem israelischen Schriftsteller eine Stele und eine Urkunde. Sie betonte, dass Benyoëtz dem biblischen Wort, der deutschen Sprache und der jüdischen Kultur in einzigartiger Weise Ausdruck verleihe. Die Laudatio hielt Professorin Dr. Verena Lenzen, Mitglied des Stiftungskuratoriums und Leiterin des Instituts für Jüdisch-Christliche Forschung der Universität Luzern, Schweiz.

„Der akademische Ordnungszwang bekommt ihn nicht in den Griff“; sagte Verena Lenzen über den in Deutsch und Hebräisch schreibenden Autor. Er sei ein aus der Zeit Herausgefallener, ein ausgefallener Denker. Er bringe die deutsche Literatur ins Gespräch mit der biblisch-jüdischen Tradition, und zwar im Bewusstsein der gescheiterten deutsch-jüdischen Symbiose.

Anette Schavan erinnerte an die Verdienste von Benyoëtz beim Aufbau der Bibliographia Judaica in den 1960er Jahren. Es sei eine Ehre für die Stiftung, dass er die Ehrung annehme. Dass es heute in Berlin wieder ein reiches jüdisches Leben gebe, sei ein großes Geschenk, fügte Schavan hinzu. Der Botschafter Israels, Yakov Hadas-Handelsman, unterstrich, dass man gerne Gastgeber der Ehrung für Benyoëtz sei. Der Bundesministerin dankte er für ihren Beitrag zur Vertiefung der deutsch-israelischen Beziehungen.

Die überreichte Stele wurde vom Glaskünstler Raphael Seitz geschaffen. Er erläuterte, dass seine Glasskulptur eher als Lichtskulptur zu verstehen sei. Sie berichte von Menschen, die aus ihrer Sehnsucht handeln und die Hoffnung nicht verlieren, so der Heilbronner Künstler. Elazar Benyoëtz dankte mit einer Lesung aus seinem Werken für die Ehrung. Musikalisch gestaltete die Cellistin Noa Chorin den Abend.

Der 75-jährige Benyoëtz veröffentlichte zahlreiche Bücher mit Essays, Lyrik und Aphorismen. In seinem Werk geht es um Fragen der Religion und immer auch um die deutsche Sprache und die jüdische Tradition. In Deutschland und Österreich erschienen unter anderem die Bände „Der Mensch besteht von Fall zu Fall“ (Reclam, 2002) und „Die Eselin Bileams und Kohelets Hund“ (Hanser, 2007). Als jüngstes Werk des Autors erschien „Sandkronen. Eine Lesung“ (Braumüller, 2012).

Benyoëtz wurde 1937 in Wiener Neustadt geboren. Seine Familie floh mit ihm 1938 nach Jerusalem. Dort legte er 1959 das Rabbiner-Examen ab. Seine ersten Lyrik-Bände erschienen auf Hebräisch. Von 1964 und 1968 wohnte und forschte Benyoëtz in Berlin. Heute lebt er in Jerusalem und Tel Aviv.

Der Autor ist korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Robert Bosch Stiftung verlieh ihm 1988 den Adelbert-von-Chamisso-Preis, einen Literaturpreis, der an deutsch schreibende Autoren nicht deutscher Muttersprache vergeben wird. 1997 erhielt Benyoëtz das Bundesverdienstkreuz, 2002 den Joseph-Breitbach-Preis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und 2009 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

Die Stiftung Bibel und Kultur wurde 1987 gegründet. Vorsitzende ist die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professor Dr. Annette Schavan. Die Stiftung vergibt einen Stiftungs­preis, einen Förderpreis, spricht Ehrungen aus und veranstaltet Schülerwettbewerbe in wech­selnden Bundesländern. Nach Ansicht der Stiftung sind verlässliche Werte für ein Zusammen­leben unverzichtbar. Die Bibel habe durch die Jahrhunderte hindurch die Fundamente gelegt für Demokratie, Menschenwürde und den Schutz der Schwachen. Für jede Generation lohne sich die Beschäftigung mit der Bibel neu, da sie Orientierung gibt und den großen Reichtum an Erfahrungen des Menschen mit Gott entfaltet. Die Bibel helfe außerdem, die Grundlagen der Kultur zu verstehen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.bibelundkultur.de.

 

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