Ausstellung im Museumspark Orientalis in Nimwegen

Wie viel Humor verträgt die Religion? Dieser Frage widmet sich bis zum 15. März 2009 eine Sonderausstellung im “Museumpark Orientalis” im niederländischen Nimwegen. Die Ausstellung “Religion und Humor” beschäftigt sich dabei besonders mit Judentum, Christentum und Islam. Einen Anlass bildeten die weltweiten Auseinandersetzungen um die Mohammed-Karikaturen in dänischen Zeitungen. In Witzen, Liedern, Karikaturen, Kunstwerken, Kabarett und Filmen zeigt das Museum jetzt , wo Spannungen entstehen oder auch ein befreites Lachen zu sehen ist. Die Ausstellung gehört zum aktuellen “Jahr des religiösen Erbes” in den Niederlanden.

Das Museum präsentiert rund 200 Humor-Beispiele zu klassischen religiösen Themen und Sünden wie Habsucht, Völlerei, Wut und Gewalt, Verleumdung, Gotteslästerung, Wollust und Sex. Der Humor ist hier häufig ein Weg, um mit Widersprüchen zwischen Worten und Taten, Unzulänglichem und Unbegreiflichem umzugehen. Dabei ist es ein Unterschied, ob die Witze aus der eigenen Gemeinschaft kommen oder von außen. Humor kann Menschen ausschließen oder einbinden. Gerade Witze über die religiösen Leiter kommen aber oft aus der eigenen Gruppe.

Humor als Zeichen religiöser Integration

Humor in religiösen Gemeinschaften ist nach Ansicht von Professor Marit Monteiro ein Zeichen für die religiöse Integration in einer Gesellschaft. Wer aufgrund von Glaubensüberzeugungen diskriminiert wird, nehme sich kaum selbst auf den Arm. Das gelte heute für Muslime in Westeuropa und habe früher auch für Katholiken in den Niederlanden gegolten. Die Dozentin für Kirchengeschichte an der Universität Nimwegen gehörte einem Beraterkreis für die Ausstellung an.

Ein Gegenbeispiel ist allerdings durch die Jahrhunderte der vielfältige religiöse Witz im Judentum. Selbst ein so ernstes Thema wie der Holocaust wird mit Spott bedacht. Oft werden Klischees aufgenommen, zum Beispiel vom Juden, der selbst mit Gott zu seinem finanziellen Vorteil handeln will. Die Auseinandersetzung mit Sünde und Gebote brachte eben nicht nur theologische Traktate, sondern auch Witze hervor.

Die Niederländer betonen: Humor ist immer an einen Kontext gebunden. Die bildliche Darstellung des Propheten gilt vielen Muslimen als Verstoß gegen ein Sakrileg. Doch während es im klassischen Islam zumindest eine mündliche Tradition des Witzes rund um die Religion gibt, zeigt sich dort heute oft ein anderes Bild.

Doch wann überschreitet Humor in der Religion Grenzen? Wo werden die Gefühle von Menschen unzulässig verletzt? Die Ausstellung gibt keine verbindliche Antwort darauf, sondern fordert die Besucherinnen und Besucher zum eigenen Urteil auf. Einen Hinweis geben die Ausstellungsmacher allerdings: Nicht das Sprechen über bestimmte Themen sei tabu, sondern der leichtfertige Umgang damit.

Ralf Thomas Müller

www.museumparkorientalis.nl

(29. Januar 2009 / Jüdische Allgemeine)